Architekturweg
Kanten & Linien auf der Spur

Allein oder in geführten Gruppen können Sie das ganze Jahr über die Nordseeinsel erkunden.
Spazieren Sie auf den Pfaden unserer wechselvollen Geschichte, begegnen Sie Hoffmann von Fallersleben
und James Krüss und erwandern Sie sich die Wunder der Natur auf beiden Inseln Helgolands. Zu Ihrem Themenwegen gibt
es eine kostenlose Info-Broschüre in der Tourist Information, die Sie bei Ihrer Entdeckungsreise begleitet. Die Karte mit dem Themenweg finden Sie ebenfalls in der Galerie.

Stationen

1 Rathausplatz und Landungsbrücke / Roathüs en Bräi

Das Inselzentrum wird vom 1960 eröffneten Rathaus der Architekten Ingeborg & Friedrich Spengelin markiert. Am Schnittpunkt von Südstrand und Lung Wai bildet es mit der angrenzenden Landungsbrücke ein räumliches Ensemble. Drei Giebel gliedern den Bau und fügen ihn in die Umgebung ein, von der er sich aber durch Rasterfassaden abhebt. Architektonisch stand Arne Jacobsens Rathaus im dänischen Aarhus Pate.

1A Die Landungsbrücke / De Bräi

Die Landungsbrücke ist die Schnittstelle zwischen Land und Meer, an der die Helgoländer Gäste in den Börtebooten angelandet werden. Hier lässt sich das Inselpanorama mit am besten genießen. Obwohl Helgoland nur rund 1 km2 groß ist, bietet die Insel eine erstaunliche räumliche Vielfalt und große architektonische Homogenität.

2 Versuchswohnhäuser Bremer Straße - Wiederaufbau / Ferseekshiisder Bremer Straße - Apbuw

Am Fuße des Helgoländer Felsens entstehen ab 1953 die ersten Neubauten, entworfen von Georg Wellhausen, dem Wettbewerbssieger von 1952. Sie dienen der Erprobung hoch verdichteter Bauweisen und interpretieren die für Helgoland typischen verschachtelten Straßenbilder in moderner Form. Wegweisend wird auch die abstrakt wirkende, asymmetrische Giebelarchitektur.

3 Theaterviertel / Komeedikatear

Anstelle des Inseltheaters entsteht 1953–55 eine zweite Serie an Versuchsbauten. Durch versetzte Gebäudehöhen, verspringende Straßenfluchten
und unterschiedliche Baumaterialien ergibt sich ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild. Intim gestaltete Zwischenzonen schaffen eine unmerk liche Abstufung von öffentlichen, halböffentlichen und privaten Räumen

4 Südstrand / Siitstrun

Die Hotelbebauung am Südstrand stellt das Entree zur Insel dar. Eine konkav gebogene Raumkante und einheitlich weiß gestrichene Balkonfronten
bilden architektonisch einen Willkommensgruß. Für die angrenzende Wohnbebauung fungieren die Hotelbauten zugleich als Windbrecher.

5 Hummerbuden / Tiinerbuud

Die 1954/55 nach Entwürfen von Georg Wellhausen errichteten Hummerbuden sind Helgolands architektonisches Wahrzeichen. Konstruktiv bilden
sie die Stützmauer für das 1947 durch die Sprengung entstandene Mittelland. Ihre bunten Fassaden wecken Assoziationen zu skandinavischen
Vorbildern. Die ehemaligen Werkstättengebäude der Helgoländer Fischer bieten heute Kunst, Kultur und Knieper eine Heimat.

5A Südhafen und Ökologisches Labor / Siithoawen en Bio

Ursprünglich als Standort für die kaiserliche Marine angelegt, wird das Südhafengelände seit dem Zweiten Weltkrieg als Gewerbefläche genutzt.
Das 1972–76 nach Entwürfen von Marlow & Partner errichtete Laborgebäude dient der Biologischen Anstalt zur Hummerforschung. Skulptural
gestaltete Baukörper mit Betonoberflächen sind charakteristisch für die Bauzeit.

6 Mittelland und Inselkrankenhaus / Meddellun en Kroankenhüs

Das 1947 durch den „Big Bang“ entstandene Mittelland wird infolge des Wettbewerbs von 1952 als Landschaftsformation bewahrt. Eingebettet in
eine Sprengmulde, wird 1957/58 das von Konstanty Gutschow entworfene Inselkrankenhaus erbaut. Ein Erweiterungsbau riegelt 1985 die feingliedrige Hofanlage zum Invasorenpfad ab.

7 Auf der Falmkante / iip'e Fallem

Von der Falmkante öffnet sich der Blick über das Unterland und zur Düne.
Die hohe räumliche Dichte der Helgoländer Nachkriegsarchitektur ist den hiesigen klimatischen Bedingungen angepasst. Dabei ähnelt die Dachlandschaft den Riffeln eines Sandstrands. In der Aufsicht wird sie zur fünften Fassade.

8 Kieler Straße - die "Literatengasse"

Der Maßstab der ehemaligen Helgoländer Häuser wird auch der Neubebauung der Insel zugrunde gelegt. Enge, verwinkelte Gassen erinnern an
die Vorkriegssituation und schaffen gleichzeitig windgeschützte Straßenräume mit spannungsvollen Perspektiven. Schautafeln in der Kieler Straße
laden auch zu einer literarischen Entdeckungstour ein.

9 St. Nicolai Kirche / De Kark St. Nicolai

Der markante Turm der St. Nicolai-Kirche auf dem Oberland bildet einen weithin sichtbaren Fixpunkt auf der Insel. Der von den Hannoveraner
Architekten Hübotter, Ledeboer und Romero entworfene, 1959 eröffnete Bau interpretiert mit seiner streng geometrischen Körperhaftigkeit den
Typus der Inselkirche in moderner Weise.

10 James - Krüss - Schule / James - Krüss - Skuul

Mit ihrer raumgreifenden Pavillon-Bauweise hebt sich die vom Kieler Architekten Otto Christophersen entworfene James-Krüss-Schule von der Enge der umgebenden Wohnbebauung ab. Damit folgt der 1959 eröffnete Baukomplex zeitgenössischen Schulbau-Idealen und adaptiert das Vorbild der dänischen Munkegaard-Schule des Architekten Arne Jacobsen.

11 "Big Bang"

Die britische Armee verändert das Erscheinungsbild der Insel – nicht nur durch die Sprengung am 18. April 1947, sondern auch dadurch, dass sie
Helgoland sieben Jahre lang als Übungsziel für Bombenabwürfe nutzt. Die dadurch geschaffene Topografie bleibt im Mittelland, bei der Treppe zum
Oberland sowie dem Verlauf des Klippenradwegs erlebbar. Mehr Details zum Thema „Big Bang“ entnehmen Sie der Tafel an diesem Standpunkt.

12 Projekt „Hummerschere“

Im Rahmen der nationalsozialistischen Aufrüstung wird ab 1938 das Projekt „Hummerschere“ umgesetzt, mit dem Helgoland zum eisfreien
Kriegshafen ausgebaut werden soll. Davon bleiben die heutige Ausdehnung der Düne sowie das aufgespülte Nord-Ost-Land, das heute Freizeit- und Kureinrichtung beheimatet. Mehr Details zum Thema „Projekt Hummerschere“ können Sie der Tafel an diesem Standort entnehmen.

13 Jugendherberge

In der Dünenlandschaft des Nord-Ost-Landes wird 1956/57 die von Ingeborg & Friedrich Spengelin entworfene Jugendherberge errichtet.
Rhythmisch gegliederte Baukörper fügen das Gebäude in die wellenförmige Topografie der Umgebung ein, roter Backstein und gelbe Putzfassaden nehmen die Farbigkeit der Helgoländer Landschaft auf.

14 Biologische Anstalt / De Bio

Die 1892 gegründete Biologische Anstalt ist die wichtigste Helgoländer Forschungsinstitution und weltweit bekannt. Der 1959 eingeweihte Neubau stammt vom Bauhaus-Schüler Gustav Hassenpflug. Die große Baumasse am Nordosthafen ist in mehrere Segmente gegliedert.
Rationalistische Rasterfassaden zeigen die wissenschaftlichen Zwecke des Baukomplexes an.

Helgolands Architektur - Alles andere als langweilig

Schon seit der Steinzeit, liebe Gäste, dient Helgoland Menschen als Heimat. Als Fischereihafen erlebt die Insel zur Hansezeit ihre erste Blüte. Ab 1807 gewinnt sie unter
britischer Herrschaft als Handelsplatz neue Bedeutung und entwickelt sich in der Folgezeit zum beliebten Reiseziel.
Das heutige Inselbild ist aber noch sehr jung. Nicht nur die Bauten, sondern auch die Landschaften sind Produkte des 20. Jahrhunderts. Helgoland, wie Sie es heute erleben,
wurde von Menschenhand geschaffen. Das beginnt schon zur Kaiserzeit mit der Anlage eines Marinehafens. Auch das während des Nationalsozialismus geschaffene Nord-Ost-Land entsteht aus militärischen Überlegungen. Die von der britischen Armee am 18. April 1947 gezündete größte nichtnukleare Sprengung aller Zeiten hinterlässt dann weite Teile der Insel als Kraterlandschaft.
Erst 1952 wird Helgoland wieder freigegeben. Damals steht hier aber kein Stein mehr auf dem anderen. Darum findet noch im selben Jahr ein deutschlandweiter Wettbewerb für die Neubebauung der Insel statt – allerdings soll es kein „Wieder“-Aufbau werden. Vielmehr werden die Zerstörungen als Chance angesehen, um alte Missstände  zu beheben.
Sein neues Gesicht erhält Helgoland aus dem zeitgenössischen Ideal einer gegliederten Stadtlandschaft. Den verschiedenen Funktionsbereichen (Wohnen, Tourismus und
Gewerbe) werden klar abgegrenzte Baugebiete zugewiesen. Damit folgt die Neubebauung der „Charta von Athen“ von 1933. Und die Kriegsnarben der Landschaft werden als
Zeugen der Geschichte bewahrt – so erinnert das amorph geformte Mittelland bis heute an die Sprengung von 1947.
Die kubisch-knappe Formensprache der neuen Helgoländer Häuser wird vom Gedankengut des Bauhauses beeinfl usst. Das dort geprägte Streben nach Licht, Luft und Sonne schlägt sich in flächenminimierten, ost-west-orientierten Grundrissen nieder. Um aber räumliche Monotonie zu vermeiden, werden alle Straßenläufe leicht gebogen und durch verspringende Häuserfl uchten aufgelockert. Dadurch ergeben sich immer wieder spannende Durchblicke.
Mit ihrer hohen räumlichen Dichte erinnert die Neubebauung bewusst an das alte Helgoland. Zugleich sind die Häuser den herrschenden klimatischen Bedingungen
bestens angepasst. Denn die eng verschachtelten Gassen mit ihren Vor- und Rücksprüngen und die verwinkelte Dachlandschaft brechen die kräftigen Nordseewinde,
die hier auf Helgoland meistens wehen. Die von 1953 bis 1966 realisierten Neubauten atmen auch skandinavische Luft. Inspiriert von zeitgenössischer dänischer Architektur, zeichnen sich die Helgoländer Häuser durch scharfkantig geschnittene, plastisch geformte Baukörper mit asymmetrischen Giebeln aus. Auch Farben und Materialien sowie die quadratischen, flächenbündig eingesetzten Fenster entspringen diesem Vorbild. Damit bilden die Neubauten zugleich eine bewusste Antithese zum nationalsozialistischen Traditionalismus.

Ein Kanon aus 14 erdtönigen Farben, eigens entwickelt vom Hamburger Künstler Johannes Ufer, unterstreicht die skulpturalen Qualitäten der Helgoländer Architektur.
Sämtliche Häuser fügen sich in einen gemeinsamen Kontext ein, ohne dabei auf eigene Akzente zu verzichten. Diese harmonische Komposition aus Formen und
Farben ist im Bauschaffen der Nachkriegszeit ohne Vergleich und macht Helgoland einzigartig.
Darum laden wir Sie herzlich dazu ein, auf einem Spaziergang über die Insel die Qualitäten dieses einmaligen
Ensembles zu entdecken!

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