Helgoländer ­Trachten
Regionaltypische Mode

Über 300 Jahre Helgoländer Tracht

Über 300 Jahre erstreckt sich die Geschichte der Helgoländer Tracht. Dokumentiert ist der Werdegang der Trachten ab 1649, viele Dinge haben sich verändert, doch der rote Rock („Paik“) mit dem gelb-grünen Saum ist geblieben.

In den Weltkriegen sind Großteile der Trachten der Bombardierung zum Opfer gefallen, nur wenige Exemplare sind erhalten und heute in Museen zu sehen.

 

Die Tracht der Frauen im Jahr 1649 bestand aus einer weißen Flügelhaube, einem roten Kleiderrock („Paik“), einem Futterhemd mit gelben Ärmeln („Fuurumt“), einem lila Kurzrock (Skört) und einem weißen Hemd mit sichtbarer Halskrause. Hinzu kamen noch schwarze Gürtel mit Silber und Schmucksteinen, silberne Hemdspangen, einem ebenfalls aus Silber bestehendem Brustschmuck und lila oder weißen Strümpfen.

 

Die kleinen Mädchen im Jahr 1720 trugen einen wadenlangen „Paik“, eine blaue Leinenschürze, eine bunte Brokatmütze mit bunter Borte, ein kleines gemustertes Halstuch, gestrickte Armlinge in blau mit weiten Streifen am oberen Rand, Strümpfe aus blauer Wolle, ein weißes Baumwollhemd und schwarze Lederschuhe.

 

Jahre später entwickelte sich die Frauentracht in einen Schutenhut („Hoadskolluk“), ein „Paik“ mit Oberteil, mehrere Kurzröcke (Skört) übereinander, einem Futterhemd mit ¾ Ärmeln, ein Brusttuch („Kroplappen“), silberner Stecker, eine blaue Schürze, Strümpfe aus blauer Wolle und Pantoffeln.

Der oberste Rock wurde hochgezogen und diente als Kopfbedeckung im Winter und Kleinkindern als wärmende Hülle.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Helgoländer Tracht nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg hat dazu beigetragen, die Zahl der wenigen Trachten noch weiter zu dezimieren. Mit der Hilfe von schriftlichen und mündlichen Überlieferungen machten sich die Helgoländer daran, ihre Trachten wiederherzustellen.

Wie auch die Jahre zuvor mit kleinen Abweichungen. Blusen und Schürzen wurden nun in den gleichen Stoffen gefertigt, zuvor waren diese häufig aus unterschiedlichen Stoffen und Mustern. Die kurzärmeligen Blusen schlossen nun mit einem breiten Streifen Spitzenborte ab. Die Hauben (Hülnduk), die nach dem Krieg aus einfachen Materialien gefertigt wurden, wurden nun wieder aus bunten und kostbaren Seiden und Spitze gearbeitet, genau wie der Rest der Tracht. Die kleinen Halstücher sind einem wesentlich Größerem gewichen.

Zu beachten war, dass keine Dirndlstoffe verwendet werden und der Stoff des roten Rockes in 7 Falten gelegt wird, um die 7 Weltmeere zu symbolisieren.

Auch für die kleinen Kinder hat sich die Tracht geändert, heute tragen sie eine kleinere Version der Tracht der Erwachsenen.

Das "Hartjen"

Wie kam ein Mädchen traditionell zu ihrem „Hartjen“?

Findet ein Jüngling ein Mädchen, das ihm gefällt und das Mädchen stimmt zu, verkündet er, sie sei „bestellt“. Daraufhin werden die Eltern der beiden Kinder informiert. Eine lange Verlobungszeit von bis zu 4 Jahren geht einer Hochzeit auf Helgoland im 18. Jahrhundert voraus. Ist der junge Mann 24 Jahre alt, darf er seine Braut am Mittwoch, Samstag und Sonntag besuchen.

Hat ein Mädchen mit 18 Jahren noch keine Anwärter, wurde es als „Überläufer“ bezeichnet und bekam nur noch schwer einen Mann, die letzte Option wäre ein Witwer. Dieser konnte im 18. Jahrhundert ebenfalls nur noch schwer heiraten.

Sollte das Mädchen vor der Hochzeit schwanger werden, wird schnell eine Hochzeit engagiert und ein sogenanntes „Treppenverbot“ tritt in Kraft, der Mann darf vor der Hochzeit nicht auf die See, um die Braut vor einer Schande zu bewahren und ein uneheliches Kind zur Welt zu bringen.

Neben anderen Traditionen um die Hochzeit herum war es üblich, dass er Mann seiner Frau ein mit Silber beschlagenes Gesangbuch und ein silbernes „Hartjen“, eine silberne Brosche mit einem stilisierten Silberherz, einem Schiff, stellvertretend für die Schifffahrt, einem Lotsenzeichen für den Broterwerb, dem Rosenstock als Zeichen für das Leben und einem Engel für die Liebe schenkte. Die Frau wiederum schenkte ihrem Mann meist eine silberne Tabakdose, ein paar Strümpfe, silberne Halsknöpfe und einen mit Silber und Gold versehenen Geldbeutel.

 

Heutzutage bekommen die Mädchen ihre Hartjen in der Regel als Taufgeschenk von den Eltern oder Paten geschenkt.

Volkstanz- und Trachtengruppe Helgoland

Jede Woche zunächst unter freiem Himmel, dann in einem Tanzhaus („Springer Hüs“) im „Rooad Weeter“ kamen die Helgoländer zusammen. In Alltagskleidern, nur mit einer weißen Schürze davor, tanzten die Jungen und Alten gemeinsam. Als Tanzschuhe nutzen sie alte Socken, unter die Segeltuch genäht wurden, hierzu trugen sie hölzerne Pantoffeln, schließlich sollten die Kleidungsstücke nicht leiden.

 

Seit dem 29.12.1977 besteht die Volkstanz- und Trachtengruppe auf Helgoland. Bei offiziellen Anlässen wie der jährlichen Feier zum 1. März (Wiedergabe der Insel an die Helgoländer) und Helgoländer Abenden tritt die Volkstanzgruppe auf und verfolgt seither den Ansatz, das Brauchtum an die zukünftigen Generationen weiterzugeben.

 

Quelle: Buch: „Helgoländer Trachten“ von Ruth Kreutzkam

 

 

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