Pressemeldung
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Schleswig-Holstein Musik Festival – Hochkultur auf Deutschlands einziger Hochseeinsel
Glänzender Erfolg beim Auftritt von Christian Quadflieg und dem „Leo Quartett“ – Helgoland nächstes Jahr wieder im Festspielkalender?
Helgoland, 17. August 2009 – Das Schleswig-Holstein Musik Festival fand nach 20 Jahren zurück nach Helgoland. Nach fast einem Jahr der Vorbereitung und intensivster Bemühungen erlebte die Insel am Abend des 11. August in der restlos ausverkauften Nordseehalle ein kulturelles Fest auf höchstem Niveau.
Dieser „großartige Erfolg“, so Helgolands Tourismusdirektor Klaus Furtmeier, der es sich nicht nehmen ließ, die zahlreichen Ehrengäste persönlich zu begrüßen, „hat vor allem vier Namen: Kerstin Seyfert, Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses, Seine Hoheit Udo Prinz von Schoenaich-Carolath-Schilden als äußerst großzügiger Mäzen, Peter Schmidt, Vorsitzender der Lichtwark-Gesellschaft sowie Barbara Ostmeier, Bürgermeisterin von Hetlingen. Sie alle hatten sich an höchster Stelle dafür eingesetzt, dass Helgoland Einzug in den Spielplan des diesjährigen Festivals fand.
Nun, im Jahr des Gedenkens an den Fall der Mauer vor 20 Jahren und an die Verabschiedung des Grundgesetzes vor 60 Jahren war das Festival also wieder da. Die Festivalleitung hatte sich vom offiziellen Jubiläums-Thema dieses besonderen Jahres „Einheit und Freiheit“ inspirieren lassen und sein Gesamtprogramm unter das Motto „Heimspiel“ gestellt. Schließlich schrieb Hoffmann von Fallersleben 1841 sein Gedicht „Das Lied der Deutschen“, dessen 3. Strophe 1952 zur Nationalhymne wurde.
Der Schauspieler und Regisseur Christian Quadflieg präsentierte auf der Insel sein Programm „Blüh im Glanze dieses Glückes…-Helgoland und das ‚Lied der Deutschen’ “. Dazu hatte er sich mit dem Leo-Quartett zusammen getan, das seine Moderation und Rezitation mit Werken der klassischen und romantischen Streichquartett-Literatur bereicherte.
Christian Quadflieg spürte den Texten in der ihm eigenen Weise nach, wechselte zwischen ab und zu auch humorvoll moderierendem Plauderton zum hochkünstlerischen, nur an wenigen Stellen auch künstlichen Rezitationston.
Am Ende zeigte der enthusiastische Beifall mit „standing ovations“, dass die Konzeption des populären Schauspielers trotz der einfachen und puren Präsentationsform – hier Rezitator und Moderator, dort das Streichquartett – funktioniert hat und der Dialog zwischen Text und Musik sich gegenseitig inspirieren konnte.
Beim anschließenden Künstlertreff wurden bereits intensive Gespräche geführt, um Helgoland evtl. bereits nächstes Jahr wieder in den Spielplan des Schleswig-Holstein Musik Festivals zu integrieren.
Text: Claus-Ulrich Heinke / Tourismusdirektor Klaus Furtmeier
Bilder: Bettina Köhn (Abdruck honorarfrei bei Nennung des Namens – Belegexemplar erbeten)
Hochkultur auf der Hochseeinsel Helgoland
Schleswig-Holstein Musik Festival machte am 11. August auf dem roten Felsen Station
(Helgoland, 14. August 2009) – Das Schleswig-Holstein Musik Festival fand nach 20 Jahren zurück nach Helgoland. Noch heute erzählen sich die Helgoländer, wie 1989, im Jahr des Falls der Berliner Mauer, der damalige Festival-Leiter Justus Frantz mit einer Autofähre in den Hafen von Deutschlands einziger Hochsee-Insel rauschte. Beim Öffnen der Fährenklappe kamen dann keine Autos zum Vorschein, sondern im Bauch des Schiffes saß sein gesamtes Festivalorchester und der Frachtraum wurde zum Konzertsaal und man erlebte ein Sinfoniekonzert in äußerst ungewöhnlicher Umgebung. Danach Klappe zu und mit „voller Fahrt voraus“ zurück zum Festland.
Nun, im Jahr des Gedenkens an den Fall der Mauer vor 20 Jahren und an die Verabschiedung des Grundgesetzes vor 60 Jahren war das Festival wieder da. Diesmal allerdings in der angemessenen Disziplin der kammermusikalischen Konzertlesung. Die Festivalleitung hatte sich vom offiziellen Jubiläums-Thema dieses besonderen Jahres „Einheit und Freiheit“ inspirieren lassen und sein Gesamtprogramm unter das Motto „Heimspiel“ gestellt.
Vor diesem Hintergrund peilte das Festival nach langer Pause auch wieder Helgoland an. Das machte Sinn. Denn zwischen dem Jubiläums-Thema und der Insel gibt es eine innige Beziehung. Hier schrieb Hoffmann von Fallersleben während eines Aufenthaltes 1841 sein Gedicht „Das Lied der Deutschen“, dessen 3. Strophe bekannter Weise 1952 zur Nationalhymne der jungen Bundesrepublik Deutschland wurde.
Das Schleswig-Holstein Musik Festival sendete nun eine hochwertige Fracht über die Nordsee auf den roten Felsen. Der Schauspieler und Regisseur Christian Quadflieg durfte in der ausverkauften Nordseehalle der Insel sein Programm „Blüh im Glanze dieses Glückes…-Helgoland und das ‚Lied der Deutschen’ “ präsentieren. Dazu hatte er sich mit dem Leo-Quartett zusammen getan, das seine Moderation und Rezitation mit Werken der klassischen und romantischen Streichquartett-Literatur bereicherte.
Natürlich durfte dabei das „Kaiserquartett“ von Joseph Haydn nicht fehlen. Aber auch die als op.81 posthum veröffentlichten vier Sätze „Andante, Scherzo, Capriccio und Fuge“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy standen auf dem Programm. Bereits beim Kaiserquartett zeigten Andreas Pfaff (2. Violine), Swantje Tessmann (Viola) und Johannes Krebs (Cello), dass sie zusammen mit ihrem Primarius Gregor Dierck auf einem guten künstlerischen Weg sind. Jeder der Vier kann bereits auf gestandene künstlerische Karrierenstufen verweisen und ist auf seinem Instrument hoch qualifiziert.
Beim Kaiserquartett gelangen ihnen viele schöne Momente, wobei besonders ihre ausgefeilte Piano-Kultur in den Bann zog. Die Variationen über das musikalische Thema „Gott, erhalte Franz den Kaiser“, später zur Melodie der deutschen Nationalhymne geworden (zu Recht moderierte Quadflieg: „Bei Haydn ist das nichts anderes als ein zweiter Satz“) stellte die Verbindung her zu den Texten des ersten Teil. Christian Quadflieg umkreiste das „Lied der Deutschen“ in zweifacher Hinsicht: einerseits mit Versen, die den revolutionären Geist des Liedes verstärkten, andererseits mit martialischen Versen von Ernst-Moritz Arndt, in denen sich bereits der spätere Missbrauch von Hoffmann von Fallerslebens Text zum dumpfen nationalistischen Getöse vorbereitete.
Literarische Zeugen dieses Missbrauches der ursprünglich demokratisch und freiheitlichen Vision des „Liede der Deutschen“ kamen im zweiten Teil des Abends zur Sprache. Hier rezitierte Quadflieg auch Texte von Literaten bzw. Literatinnen, die Deutschland wegen der Nazi-Herrschaft verlassen mussten wie Mascha Kaléko, Hans Sahl oder Walter Mehring. Das Programm wurde hier beeindruckend dicht mit seiner formulierten Sehnsucht nach Frieden. Die darauf antwortende Mendelssohn-Fuge, eine Reaktion des jungen Komponisten auf seine Begegnung mit J. S. Bach, war in seiner stillen und konzentrierten Art der musikalische Höhepunkt des Abends. Hier zeigten die vier Musiker, dass sie alle auch in der „alten“ Musik zu Hause sind und loteten die geistigen Tiefen dieses Satzes auf wunderbare Weise aus. Text und Musik gerieten auf Augenhöhe zu einander.
Christian Quadflieg spürte den Texten in der ihm eigenen Weise nach, wechselte zwischen ab und zu auch humorvoll moderierendem Plauderton zum hochkünstlerischen, nur an wenigen Stellen auch künstlichen Rezitationston. Dabei war er mal der über den Heimatverlust trauernde Emigrant des 20. Jahrhunderts, mal der pausbäckig trompetende Ernst-Moritz Arndt, mal die sehnsüchtig sprechende Mascha Kaléko, mal der ironische Heinrich Heine und dann wieder der Freiheit und Demokratie fordernde Freiheits-Dichter der Paulskirchen-Zeit. Zu einem beeindruckender Höhepunkt seiner Rezitation führte er den ersten Teil von Heines „Deutschland – Ein Wintermärchen“.
Am Ende zeigte der enthusiastische Beifall, dass die Konzeption des populären Schauspielers trotz der einfachen und puren Präsentationsform – hier Rezitator und Moderator, dort das Streichquartett – funktioniert hat und der Dialog zwischen Text und Musik sich gegenseitig inspirieren konnte. Die als Zugabe servierte leichte Pizzikato-Version der Deutschlandlied-Melodie in der Haydn’schen Fassung machte auf schönste Weise deutlich, dass das von Hoffmann von Fallersleben und seinen Gesinnungsfreunden ersehnte neue friedliche Deutschland Wirklichkeit geworden ist.
Text: Claus-Ulrich Heinke, 14. August 2009
Bilder: Bettina Köhn (Abdruck honorarfrei bei Nennung des Namens)







