Forschung und Lehre mitten im Meer
Die Biologische Anstalt Helgoland, die bereits 1892 gegründet wurde, ist seit 1998 unter dem Dach der Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und damit in der Helmholtz-Gemeinschaft der Großforschungszentren.
Die kürzliche Auswertung der Helgoländer ökologischen Langzeitbeobachtungsserien zeigte, dass das Ökosystem Nordsee sich im starken Umbruch befindet, bewirkt durch global bedingte Entwicklungen wie besonders durch die durchschnittliche Temperaturerhöhung des Nordseewassers um 1.1.°C in den letzten 40 Jahren. Unsere Mission ist es deshalb, die funktionelle Biodiversität des Schelfmeeres Nordsee zu erforschen, d.h. das Funktionieren des Ökosystems besser zu verstehen und die Rolle der Arten und Artengemeinschaften in den sich rapide ändernden Nahrungsnetzen zu erklären. Experimentelle Verfahren und der Einsatz aufwendiger Analysetechniken dienen zur Szenarienbildung und sind damit Grundlage prognostischer Ansätze. Mit modernen Methoden der Langzeit-Datenerhebung und in enger Kooperation mit anderen Institutionen, die eine vergleichbare Forschung im Gebiet der Nordsee aber auch überregional verfolgen, wird die Forschung auf Helgoland somit auch in Zukunft einen wesentliche Beitrag dazu leisten können, ökologischen Veränderungen zu analysieren und damit Entscheidungshilfen für das Ressourcen-Management und die Umweltpolitik insgesamt bereitzustellen.
Die Langzeituntersuchungen bei Helgoland haben zum Beispiel dokumentiert, wie einige heimische Arten seltener wurden (z.B . Hummer, Kabeljau) oder auch ganz aus dem Gebiet verschwanden (z.B. verschiedene Algen, die europäische Auster). Andere Arten nahmen in ihren Beständen zu (z.B. Taschenkrebs) oder traten neu im Gebiet auf. Die große Mehrzahl der seit etwa 15 Jahren vermehrt neu aufgetretenen Arten sind „südliche“ Arten, die den positiven Temperaturtrend für eine Erweiterung ihres Areals von der atlantischen Region aus in die Nordsee hinein nutzen konnten und gleichsam Indikatoren dieses Trends darstellen. Einige Beispiele hierfür sind die Assel Idotea metallica, der Wasserfloh Penilia avirostris, oder die Qualle Muggiaea atlantica. Andere neue Arten wurden vom Menschen eingeschleppt und haben einige lokale Habitate und Lebensgemeinschaften bereits deutlich verändert (z.B. die neuseeländische Seepocke Elminius modestus seit 1954, die Rotalge Mastocarpus stellatus seit 1983, die Braunalge Sargassum muticum seit 1988, der Gespenstkrebs Caprella mutica seit etwa 2000, die pazifische Auster Crassostrea gigas seit 2003).
Als eine wesentliche Verbesserung der Logistik für Forschung und Lehre ist in knapp zwei-jähriger Bauzeit die ehemalige Marinekaserne auf dem Oberland von Helgoland zu Gästehäusern der Biologischen Anstalt Helgoland umgebaut worden.
Die neuen Gästehäuser auf dem Helgoländer Oberland bieten Platz für über 50 Personen. In insgesamt 13 Wohnungen und 8 Wohngemeinschaften können Mitarbeiter, Gastforscher, Projektmitarbeiter und Nachwuchswissenschaftler angemessen untergebracht werden. Allen Mitarbeitern und Bewohnern steht in einem der Gebäude ein großer Gemeinschaftsraum zur Verfügung. Durch entsprechende Technik kann dieser auch als Tagungsraum und für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden. Mit etwa 700 Studenten in den Kursen, die die BAH anbietet oder unterstützt und ca. 200 Gastforschern im Jahr mit Aufenthaltszeiten von einer Woche bis zu drei Jahren unterstreicht das AWI, dass die BAH seit jeher einen wesentlichen Platz in der Insel-Ökonomie einnimmt.




