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Nachruf für den Reeder Cassen Eils

Gemeinde Helgoland

Der Bürgermeister

Lung Wai 28, 27498 Helgoland

Telefon: 04725/808-30

E-Mail: f.botter@gemeinde-helgoland.de

 

Pressemitteilung

 

 

 

 

Nachruf für den Reeder Cassen Eils

Trauerfeier und Beisetzung am 22. Januar 2010 in Cuxhaven

 

Cassen Eils ist tot. Diese Nachricht hat mich tief getroffen, auch wenn ich über seine Erkrankung informiert war. Helgoland verliert nicht nur einen zuverlässigen Partner, der sich in den letzten 58 Jahren als Unternehmer und Reeder um unsere Insel verdient gemacht hat, sondern auch einen Moat (helgoländisch: Freund), der Helgoland in seinem Herzen mit getragen hat.

 

Wir alle müssen jetzt ohne ihn auskommen. Seine Familie und seine engsten Angehörigen, seine langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Reederei und auf den Schiffen, sowie all die Menschen, die mit Cassen eng befreundet oder geschäftlich verbunden waren. Und ganz besonders auch wir Helgoländer!

 

Dank seines unternehmerischen Mutes, von dem er in der Erinnerung selbst von Blauäugigkeit sprach, hat er sich ein Schiff gekauft, das damals schon 58 Jahre alt war. Mit dem 1894 gebauten Dampfer „Rudolf“ nahm er den regelmäßigen Verkehr zwischen Cuxhaven und Helgoland auf und legte damit den Grundstock für sein erfolgreiches Unternehmen. Mitte der 50er Jahre dachte er über einen Neubau nach. Das Kapital dafür musste er sich auf dem Finanzmarkt besorgen. Er erzählte mir mal, dass die Hausbank ihm den berühmten Vogel zeigte, als er dort vorstellig wurde. Das würde sich nicht rechnen und seine Sicherheiten würden hierfür nicht ausreichen. Erst in Hannover traf er auf Bankiers, die von seinem Konzept überzeugt gewesen seien und den Bau des legendären MS „Atlantis“ ermöglichten. Hilfreich dabei war auch eine Bürgschaft der Gemeinde Helgoland, die Cassen Eils verpflichtete bis 1971 sein Schiff für den Helgolandverkehr einzusetzen. 1960 folgte ein weiterer Neubau, MS „Seute Deern“. Mit diesem Schiff wurde unsere Insel mehrere Jahrzehnte im Winter angelaufen und mit Wehmut denken wir zurück an die letzte Fahrt und die Abschiedsszenen im Südhafen.

 

Cassen Eils sah im Seebäderverkehr und bei den Tagesausflugsfahrten (Butterfahrten) eine weitere Chance für sein Unternehmen und ließ Anfang der 70er Jahre zwei neue Schiffe bauen. „Fair Lady“ und „Funny Girl“ liefen bei der Mützelfeldtwerft in Cuxhaven vom Stapel. Die letztere ist nun unsere Verbindung zum Festland. MS „Flipper“ war sein letzter Neubau, den er in Auftrag gab. Mit seinen Schiffen sicherte er den boomenden Ausflugsverkehr nach Helgoland. Von Büsum und den ostfriesische Inseln im Sommer; von Cuxhaven aus im Winter.

 

Mit dem Kauf des MS „First Lady“, heute „Atlantis“, wuchs seine Flotte weiter und insbesondere bei den sogenannten Butterfahrten in der Ostsee lag die überwiegende wirtschaftliche Grundlage der Reederei Eils, neben dem Tagesausfluggeschäft nach Helgoland. Mit dem Aus für die Einkaufsfahrten zum 1.1.1999 brach ein wichtiges wirtschaftliches Betätigungsfeld weg und führte zu einer Reduzierung der Schiffskapazitäten.

 

Über all die Jahrzehnte aber war Helgoland nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht ein Punkt in der Deutschen Bucht, mit dem man Geld verdienen konnte, sondern für Cassen Eils auch eine Herzensangelegenheit. Sehr schnell lernte der gebürtige Norderneyer die Helgoländische Sprache. Sicherlich zunächst nur, um zu verstehen, was die Insulaner so über ihn sprachen. Späterhin dann als ganz normale Umgangssprache mit den Inselfriesen. Ich selbst sprach mit ihm nur in unserer Sprache und wenn an einem solchen Gespräch ein Unkundiger teilnahm, dann sagte Cassi: „Wenn Sie etwas von dem Gesprächsinhalt verstehen wollen, müssen Sie die Sprache lernen!“ und sprach weiter Helgoländisch.

 

Ganz wichtig waren ihm die Interessen der Kinder. Ohne sein Entgegenkommen wäre manche Klassen- oder Schulfahrt finanziell nicht möglich gewesen. Das und vieles andere werden wir nicht vergessen und es wird uns immer an einen aufrichtigen und ehrlichen Menschen erinnern.

 

Cassen Eils wird nicht nur mir fehlen, sondern vielen Menschen auf unserer Insel. Ich bin dankbar dafür einen solchen Menschen gekannt zu haben und ein kleines Stück gemeinsam für unsere Insel gehen zu dürfen. Vor der Lebensleistung des Verstorbenen verneige ich mich.

Fair well Cassi!